mit der Maus zum Haus (Focus-Online)



von Jean-Marc Göttert und Iris Quirin



Mit 360-Grad-Ansichten, Filmen und Luftaufnahmen locken Wohnungsbörsen im Web und setzen die Zeitungskonkurrenz unter Druck

Beinahe hätte der Kasseler Personalberater Ottmar Sauerländer die zermürbende Wohnungssuche für seine Tochter Tina aufgegeben. In München sollte die 20-Jährige im Oktober dieses Jahres ihr Studium beginnen. Drei Monate wühlten sich Vater und Tochter vergeblich durch Wohnungsinserate und standen sich bei Besichtigungsterminen die Beine in den Bauch. „Bei mindestens 200 Bewerbern pro Wohnung hatten wir nicht den Hauch einer Chance“, erzählt Sauerländer. Ein Zufall half aus dem Dilemma. Im Internet stieß der Personalreferent auf ein Immobilien-Portal und suchte dort nach einer Studentenbude für Tina. Er hatte Glück und fand auf Anhieb ein Angebot einer Wohnungsbaugesellschaft. „Da habe ich sofort zugeschlagen“, freut sich Sauerländer.

Eine Bleibe per Web suchen mittlerweile viele Surfer. Die Leipziger Beratungsgesellschaft Immo Media Consult zählte im August dieses Jahres 58 Millionen Seitenaufrufe bei den 20 größten deutschen Immobilien-Portalen. Online stöbern die Internauten nach Miet- und Eigentumswohnungen, Häusern oder Gewerbeimmobilien. Die Auswahl ist immens: Mehr als eine halbe Million Angebote präsentieren allein die führenden acht Marktplätze. Immobilienbesitzer und Makler preisen ihre Ware verstärkt online an. Den Trend zum virtuellen Wohnungsmarkt bestätigt Arndt Kwiatkowski, Geschäftsführer von Immobilienscout24: „Heute verwenden bereits dreimal so viele professionelle Makler unsere Plattform wie noch vor zwei Jahren.“


Neugier wecken die Web-Seiten durch ausgefeilte Film- und Bildtechniken. Fotos eröffnen die Sicht auf die Fassade und Inneneinrichtung von Wohnungen und Häusern. Mit Animationen schweift der Blick um 360 Grad durch Wohn- und Schlafzimmer oder Bad. Umgebungskarten zeigen den Weg zum nächsten Kindergarten, Fitness-Club oder zur Apotheke um die Ecke. Videos von Straßenzügen erschließen das Umfeld des begehrten Objekts.


Die Animationen im Web leisten vor allem Menschen wie dem Berliner EDV-Fachmann Martin Kliemann wertvolle Dienste. Die Recherche am Bildschirm sparte ihm Zeit und lästige Laufereien, als ihn sein Beruf bei der Lufthansa kürzlich von Berlin nach Frankfurt verschlug. „Im Internet habe ich mich von Berlin aus über passende Wohnungen im Rhein-Main-Gebiet informiert“, berichtet der 35-Jährige. Auf Planethome, dem Immobilien-Portal der HypoVereinsbank, fand er schnell eine Drei-Zimmer-Altbau-Eigentumswohnung in Wiesbaden für seine Familie. „Besonders hilfreich waren die 360-Grad-Ansichten“, erzählt Kliemann begeistert. Seine Entscheidung habe der virtuelle Rundumblick stark beeinflusst. Per Mausklick reservierte er die Wohnung beim Makler und vereinbarte eine Besichtigung. Als auch der Termin vor Ort keine bösen Überraschungen offenbarte, unterschrieb er den Kaufvertrag und zahlte – wie bei einer Zeitungsanzeige – die übliche Courtage.