Virtuelle Musterhäuser (Welt am Sonntag)



VON OLIVER KLEMPERT





Wie ein Neubau wirklich aussehen wird, ist vor Baubeginn oft nur schwer erkennbar. Zu eindimensional sind die meisten Modelle der Architekten. Neue Software schafft Abhilfe: Das Dach glänzt in der Sonne, Bäume und Büsche werfen scharf umrissene Schatten, die Natursteine am Hauseingang scheinen vor Hitze zu glühen. Solche optischen Eindrücke können Computer leicht darstellen. Mittlerweile gibt es in jedem halbwegs aufwendigen Computerspiel Szenen,die fast so aussehen, als wären sie Realität.



Nur wenn es um den eigenen Neubau geht -für die meisten Menschen die teuerste Entscheidung ihres Lebens -, muss man sich meistens mit einfachen Grundrisszeichnungen begnügen. Allenfalls bietet der Architekt noch ein grobes 3-D-Modell in Farbe, das er mit seiner Planungssoftware erstellt hat.



Doch wie Farben und Formen am Ende wirken, ob die Fassade nicht doch zu schlicht geraten ist oder das Größenverhältnis der Fenster zueinander den Geschmack trifft, sieht der Bauherr meistens erst hinterher,wenn alles zu spät ist. Dennoch - was in Computerspielen geht, sollte eigentlich auch für reale Architektur möglich sein: nachdem ein Gebäude in seinem Grundriss feststeht, eine dreidimensionale, fotorealistische Ansicht zu erzeugen. Zwar gibt es mittlerweile einige 3-D-Heimprogramme, mit denen der interessierte Laie auf eigene Faust Hausmodelle erschaffen kann. Doch wer sich damit nicht auskennt, muss sich tagelang mühsam einarbeiten.



Doch auch als Werbematerial eignen sich die virtuellen Häuser. Bislang können sich meist nur große Hersteller wie Kampa oder Town&Country eigene Musterhausparks leisten. Mit der Visualisierung von Architektur am Computer wird auch für kleinere Hersteller am Bildschirm der Gang durchs künftige Wohnzimmer möglich.